Schnittstelle: Mensch

23.03.2012 – 04.05.2012

Die Bilder entstanden im Rahmen des Sommerkunstcamps „Kunstreich“, das die JuKuWe (Jugendkunstwerkstatt Koblenz e.V.) 2011 zum fünften Mal veranstaltete. Seit 2007 treffen sich jeden Sommer kunstinteressierte und motivierte junge Menschen im Alter von 15 bis 27 Jahren auf dem Fort Konstantin in Koblenz und arbeiten mit Profis aus der regionalen und internationalen Kunstszene. Drei Tage und zwei Nächte haben sie Gelegenheit dazu sich in unterschiedlichen Workshops auszutauschen, zu experimentieren und eigene Kunst zu machen.

KUNSTREICHIm Jahr der Bundesgartenschau in Koblenz (2012) hat sich das Kunstreich auf seine eigene Art mit dem Verhältnis von Natur und Kultur beschäftigen. „Schnittstelle: Mensch“ lautete die Adaption dieses vielseitigen Themas, das den Rahmen für die Arbeiten auf dem Camp vorgegeben hat. Denn der Mensch als Teil der Natur verändert diese durch seine Handlungen und schafft eine nicht-natürliche Welt. Durch ihn entsteht und passiert Kultur. Doch schafft er nur Gutes? Und welchen Stellenwert nimmt die Natur in seinem Leben ein? Die Künstlerinnen und Künstler haben sich intensiv mit dieser Thematik auseinandergesetzt. Sieben der entstandenen Kunstwerke wurden seit der Nacht der offenen Kirchen am 23.02.2012 in der Kirche der Jugend Koblenz St. Elisabeth präsentiert.

Die folgenden Ausführungen von Jugendpfarrer Martin Laskewicz zu ausgewählten Bildern der Aus-stellung beinhalten Gedanken aus einem Gespräch mit Schülerinnen und Schülern der Klasse GY11 der Berufsbildenden Schule Wirtschaft.

Ein Jugendlicher mit Baseballkappe vor einem BaustellengitterIn diesem Bild steht im Vordergrund vor einem Baustellengitter ein Jugendlicher mit Baseballkappe, der ein seiner linken Hand eine Schaufel hält. Der Hintergrund ist zweigeteilt: Im rechten oberen Teil einige Hochhäuser, die eine Stadt andeuten, vor einem dunkelroten, bedrohlich wirkendem Himmel; im übrigen ein grüner Hintergrund unter blauem Himmel, in dem rote „Flammen“ zu entdecken sind. Bedrohte Natur?

Dadurch, dass das Gesicht der Figur durch die Buchstaben „DU“ ersetzt wurde, ist klar, dass der Betrachter des Bildes in die Situation hineingenommen wird. Jede und jeder ist ein solcher Bauarbeiter; jede und jeder gestaltet die Welt mit – durch aktives Handeln oder auch durch Passivität. In welche Richtung wird die Entwicklung gehen? Helfen wir durch unser Verhalten der Natur und schützen sie oder zerstören wir sie? Oder gelingt es uns vielleicht, menschliche Kultur im Einklang mit der Natur zu gestalten?

Ronald McDonaldDie Figur in diesem zweiten Bild erinnert stark an „Ronald McDonald“. Dieser ist eine Werbefigur des Unternehmens McDonald’s und hat einen hohen Bekanntheitsgrad bei Kindern und Jugendlichen. Er kann als eine Art Clown bezeichnet werden und man trifft ihn oft auf einer Bank sitzend an.

Die Figur im Bild sitzt ebenfalls, allerdings in ganz anderer Art und Weise: Die Perücke hat er abgenommen, sie erscheint wie aufgehängt in der linken oberen Eckes des Bildes. Er sitzt vornübergebeugt mit einer Zigarette in der Hand und scheint nachdenklich zu sein; Tränen fließen aus den Augen. Der Grund für die traurige Stimmung findet sich im unteren Bildteil: Der Figur zu Füßen fliegen allerlei Becher wie Müll vor dem grünen Hintergrund herum. Wenn Ronald McDonald stellvertretend für die Fastfoodkette steht, schaut er sozusagen auf die Konsequenzen des eigenen Handelns. Es stellt sich die Frage, wie mit Ressourcen und der Schöpfung umgegangen wird: Verschwenderisch oder nachhaltig.

Bild aus mehreren hintereinander gespannten FolienDas dritte hier gezeigte Bild besteht aus mehreren hintereinander gespannten Folien. Vor einem bläulichen Hintergrund ist auf der mittleren Folie in der oberen Bildhälfte eine Stadtsilhouette zu sehen. Die Folie gibt aber gleichzeitig den Blick in den Untergrund frei – wie ein Querschnitt auf Höhe der Fassaden. Man kann erkennen, dass die Hochhäuser auf starken Wurzeln stehen, wie Bäume sie besitzen. Die vom Menschen gestaltete Kulturlandschaft wurzelt auf den dem, was die Schöpfung zur Verfügung stellt. Kultur und Natur sind eng miteinander verbunden, auch wenn diese Verbindung in der Regel nicht so deutlich zu sehen ist. Auf der vorderen Folie ist ein in grüner Farbe angedeutetes Mädchen zu sehen, dass mit einem Ball spielt. Kinder erobern sich spielerisch die Welt, in der sie leben: Natur ebenso wie Kultur. Sowohl an das Bestreben, sich in beiden Bereichen zurechtzufinden, als auch an die dauernde Aufgabe, einen unverkrampften und gleichzeitig verantwortungsvollen Umgang mit beiden zu pflegen, können Kinder uns erinnern.

Backsteinmauer in der ein großes Loch den Blick auf den Hintergrund auf der zweiten Ebene des Bildes freigibtDieses Bild besteht aus zwei Ebenen: Auf der Folie im Vordergrund ist eine Backsteinmauer dargestellt, in der ein großes Loch den Blick auf den Hintergrund auf der zweiten Ebene des Bildes freigibt. Dort führt inmitten grüner Wiesen eine Straße von unten links zum Horizont oben rechts. In der Mitte steht ein Baum. Am Himmel ballen sich Wolken vor allem in den Bereich rechts und links oberhalb des Baumes. Betrachtet man nicht die einzelnen Bildgegenstände, sondern das gesamte Ensemble, kann man im Blick durch das Loch in der Mauer ein menschliches Gesicht erkennen.
Der Mensch macht aus der Natur eine Kulturlandschaft – im Bild angedeutet durch die von ihm gebaute Straße – und gibt ihr ein neues Gesicht.

Diesen Eindruck können nur die Bertachter des Bildes, die durch das Loch in der Mauer blicken, haben. Stünde jemand hinter der Mauer, hätte er wahrscheinlich ein ganz anderes Bild von dem, was er dort zu sehen ist. Auf den Standpunkt kommt es an. Sichtweisen, Deutungen und Bewertungen können sehr unterschiedlich ausfallen.

23
Mär

Geschrieben am: 23.03.2012

Von: Martin Laskewicz

Lieblingszitat:

“Es braucht eine neue Sprache, eine neue Art, die Dinge zu sagen.”Papst Franziskus

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